Lüften bei Estrichtrocknung

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Bebbie
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Lüften bei Estrichtrocknung

Beitrag von Bebbie » Di 7. Jul 2020, 22:00

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage zum Lüften bei der Estrichtrocknung.

Laut Bauleiter sollen wir 2mal täglich alle Fenster komplett für ca. 30 min auf machen, danach schließen und 2 gegenüberliegende Fenster für Durchzug kippen. Evtl. würde er auch noch einen Ventilator in einem Fenster installieren.

Der Estrichleger hat gesagt, wir sollen auf keinen Fall die Fenster kippen, da Durchzug schlecht wäre. Er meinte auch 3 Mal am Tag alles auf. Gegen den Ventilator hatte er aber nichts einzuwenden.

Wie wurde euch das gesagt bzw. wie habt ihr das gemacht?

Vielen Dank

Shadow85
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Re: Lüften bei Estrichtrocknung

Beitrag von Shadow85 » Mi 8. Jul 2020, 08:36

Hi,

mir wurde damals das gleiche gesagt, was dein Bauleiter sagt. Mit dem Estrichleger hatte ich nie gesprochen.
Mein Bauleiter hat dann später auch einen Ventilator an einem Fenster eingebaut.

Das der "Durchzug" schlecht sein soll, ist mir nicht bekannt. Zumindest hatten wir keinerlei Probleme.

BigNose82
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Re: Lüften bei Estrichtrocknung

Beitrag von BigNose82 » Mi 8. Jul 2020, 08:56

Dauerhafter (starker) Luftzug ist schlecht, weil der Estrich dann partiell schneller trocknet und entsprechend Spannungen entstehen. Das gleiche gilt im Winter bei tiefen Temperaturen, wenn zusätzlich zum schnelleren, partiellen Trocknen auch noch große, partielle Temperaturunterschiede dazu kommen.

Unterm Strich ist die Trocknung bei weitem keine so große Wissenschaft, wie es durch die immer wiederkehrenden Fragen dazu scheint. Der Estrich würde auch ohne aktive Beheizung durchtrocknen - es dauert nur länger.
Aus der Sicht von FH zählt überwiegend der zeitliche Aspekt, damit es im Ablauf schnell weitergehen kann. Dazu werden sämtliche Leistungsreserven der Heizung freigegeben. Anwesende Arbeiter reißen gewöhnlich alle Fenster auf, da es sich bei >30 °C eher schlecht arbeitet.

Wer Energie sparen möchte, muss dafür sorgen, dass die Fenster zu bleiben und die Zusatzheizung einer WP deaktivieren. Ggf. kann daraus resultieren, dass die Ausheizung dann geschoss- oder raumweise erfolgen muss. Wenn eine KWL vorhanden ist, kann die (nach den ersten Tagen, wenn der Großteil des freien Wassers raus ist) verwendet werden.

Da FH bei uns mit dem Einbau des Estrichs quasi fertig war, also kein Zeitplan drängte, hab ich die Maximaltemperatur des Trockenheizprogramms auf die später maximal zu erwartende Betriebstemperatur eingestellt (35 °C). Die Lüftung lief, wann immer dies möglich war und die Fenster waren so gut wie immer geschlossen.
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Bierbrauer88
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Re: Lüften bei Estrichtrocknung

Beitrag von Bierbrauer88 » Sa 1. Aug 2020, 11:44

Tipp: Stellt euch ein Hygrometer zur Überwachung der Luftfeutigkeit ins Haus:

Uns wurde vom Bauleiter auch geraten, drei Mal am Tag zu lüften. Wir haben - wahrscheinlich wie die meisten - zweimal täglich gelüftet.
Bei uns wurde durch den Bauleiter für die Estrichtrocknung im Dachgeschoss in einem Fenster zusätzlich ein Lüfter eingebaut.

Wir haben uns im Haus ein Hygrometer - gibt es schon ab 10€ zu kaufen - zur Überwachung der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit aufgestellt. Damit lässt sich sehr gut erkennen, inwieweit ein Lüften erforderlich ist und auch wie lange. Kann ich nur empfehlen!!!
Bei uns im April hat es idR genügt 5 Minuten Stoßzulüften, danach war die Luftfeuchtigkeit wieder runter - bei längerem Lüften ist nur noch die Temperatur gefallen; was Energieverlust und Energiekosten bedeutet. (Ist natürlich immer auch vom aktuellen Wetter und den örtlichen Gegebenheiten abhängig, so dass pauschale Aussagen schwierig sind, daher dann das Hygrometer als Hilfsmittel)

Anfangs ist die rel. Luftfeutigkeit bis 98% hoch, nach ca. 2 Wochen hat sich das bei 50-60% rel. Luftfeuchte eingependelt. Während die ersten 2 Wochen zweimal täglich Lüften noch viel gebracht hat zur Senkung der rel. Luftfeutigkeit und damit auch dem Abtransport überschüssiger Feuchtigkeit aus dem Haus, haben wir danach kaum noch einen Mehrwert bemerkt, d.h. es hätte dann auch einmal Lüften am Tag genügt, da die rel. Lüftfeuchtigkeit zwar von abends bis morgens stärker angestiegen ist, vom morgendlichen Lüften bis zum abendlichen Lüften aber kaum noch (kürzerer Zeitintervall).
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Bierbrauer88
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Re: Lüften bei Estrichtrocknung

Beitrag von Bierbrauer88 » Sa 1. Aug 2020, 11:56

Ergänzung wegen Trocknungsprogramm Heizung:

Bei uns war auch das Estrichtrocknungsprogramm der Heizung aktiv, dann läuft die Heizung über den elektrischen Heizstab 30 Tage volle Kraft. Hat bei uns im April 4200 Kw/h Strom bedeutet. Da wir ERdwärmebohrung hatten, wird nur der Heizstab genutzt, da die Erdsonde aufgrund des Energiebedarfs vereisen könnte und nicht genutzt wird; daher auch der hohe Strombedarf wegen der Erdwärmebohrung.
Wenigstens hatten wir uns nach Hausststellung in Absprache mit Schilling schnell darum gekümmert, dass die Hausstromanschlüsse fertiggestellt sind und der Versorger die Stromzähler einbaut - macht Schilling sonst auch erst später - so dass wir den vergünstigsten WP-Stromtarif hatten.
Hier lässt sich also Geld sparen, wenn man sich schnell um die Hausanschlüsse kümmert und vom Baustrom wegkommt - Bedarf nur Absprachen mit den Versorgern und Schilling.

Aber das Trocknungsprogramm wäre bei uns weiter gelaufen, da es sich nicht nach 30 Tagen abgeschaltet hat, was es angeblich soll (wie haben eine Vitocall 222-G) Daher habe ich dann nach 30 Tagen die Heizung manuell abgeschaltet, da unser Bauleiter erst ca. 10 Tage später wieder vor Ort war und die Heizung sonst noch 10 Tage weiter gelaufen wäre, bis er diese abgeschaltet hätte. Bei 35 GRad im Haus lässt es sich auch nur beschwerlich arbeiten und die Monteure reißen alle die Fenster auf; da geht sonst viel Engerie und somit Geld verloren - wenn die Heizung volle Last fährt, es draußen nur 8 Grad hat und die Fenster den ganzen Tag offen stehen....
Hier lässt sich also m.E. auch Geld sparen
Medley 300

Bebbie
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Re: Lüften bei Estrichtrocknung

Beitrag von Bebbie » So 2. Aug 2020, 01:17

Bierbrauer88 hat geschrieben:
Sa 1. Aug 2020, 11:44
Anfangs ist die rel. Luftfeutigkeit bis 98% hoch, nach ca. 2 Wochen hat sich das bei 50-60% rel. Luftfeuchte eingependelt.
So richtig hoch war die Luftfeuchtigkeit irgendwie nie. Hatte mir das anders vorgestellt.
Allerdings lief das bei uns ein wenig anders als geplant.

Die ersten drei Tage nach Estricheinbringung darf man ja nicht rein. Dann waren zwei Tage lang auch die Fenster leicht beschlagen.
Das Trocknungsprogramm konnte dann erst eine Woche später als geplant gestartet werden, weil der Elektro-Heistab deaktiviert war und niemand wusste wie man den aktiviert.
Viel höher wie 60% war die Luftfeuchtigkeit dann nie. Im Moment haben wir eher so um die 30%. Liegt wohl aber auch daran, dass es draußen so trocken ist.
Mal sehen, was nächste Woche die Restfeuchtemessung ergibt.

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